"Leggendo Gomorra bisogna fermarsi e ricordare che non si parla di un territorio africano devastato dalla guerra o di un ex stato comunista, ma della vita di una grande città in una ricca nazione europea" Guardian  
stol.it
18 May 2008  

"Gomorrah" zeigt die Mafia ohne Beschönigung

„Seit ich geboren bin, hat die Camorra mehr als viertausend Menschen getötet. In ganz Italien hat die Mafia in 30 Jahren 10.000 ermordet", sagte der Schriftsteller Roberto Saviano (Jahrgang 1979) am Sonntag bei einer Pressekonferenz in Cannes.



Das Buch „Gomorrah" (Originaltitel: „Gomorra") hat international für Aufmerksamkeit gesorgt. Nun hat der italienische Regisseur Matteo Garrone das Buch verfilmt.

Beim Pressescreening wurde der Wettbewerbsfilm „Gomorrah" bei den 61. Filmfestspielen begeistert aufgenommen. In Italien läuft er bereits seit zwei Tagen sehr erfolgreich im Kino.

„Gomorrah" heißt das Buch, eine Anspielung auf den biblischen Sündenpfuhl Sodom und Gomorrha, in dem der junge Mann beschreibt, wie sehr die „Paten" bereits zum Teil der Gesellschaft geworden sind, wie sehr sie „integriert" sind in Neapel. Für die Recherche zum Buch hat er undercover am Hafen für die Camorra gearbeitet.

Er beschreibt hautnah das Ausmaß der Mafia in Neapel in aller Offenheit und hat auch am Drehbuch zum Film mitgeschrieben. Seit zwei Jahren lebt er nun unter Personenschutz. Saviano will die Mechanismen aufzeigen, die hinter der Mafia stecken, die die Wirtschaft beeinflusst und das Leben der Menschen einzelner Viertel, wie Saviano auch in der von Bodyguards bewachten Pressekonferenz nach dem Screening des Films sagte.

Es sind einzelne Episoden, Geschichten, die das Buch ausmachen, der Film von Matteo Garrone nimmt einige davon heraus und versucht mit fünf Geschichten, die Strukturen hinter den Verbrechen herauszuarbeiten.

Es ist kein Film, der faszinierende Mafiabosse mit dunklen Sonnenbrillen zeigt, sondern die dunkle, banale, schmutzige Seite der Verbrechensorganisation.

Gleich zu Beginn werden Männer im Solarium eiskalt erschossen. „Ich bin sehr von Kriegsbildern beeinflusst worden, und der Zuseher soll auch bei diesem Film das Gefühl haben, er ist im Krieg", so der Regisseur.

Ein Krieg, für den Kinder rekrutiert werden. „Jetzt bist Du ein Mann", sagt ein Mafiaboss zu einem Bub, nachdem er auf ihn gezielt hat und die Kugel in der kugelsicheren Weste stecken bleibt.

Ware, die am Hafen hängen bleibt, wird von der Mafia abtransportiert, die Müllabfuhr ist in festen Händen und Straßenkämpfe mit Schusswaffen gehören zum Alltag.

„Ich habe ein Buch über eine Gesellschaft geschrieben, in der ich aufgewachsen bin, in einer Gegend, die ich geliebt und gehasst habe", erzählt Saviano.

Saviano erwartet sich jedoch nicht mehr Risiko für sich durch den Film: „Das Risiko entsteht nicht dadurch, dass man etwas geschrieben hat, sondern, dass es gelesen wird und man es gesehen hat."

Man sollte auch daran denken, dass in der Gegend um Neapel 10.000 Menschen bedroht werden, er sei nichts Besonderes. Allerdings: „Bei den Dreharbeiten haben die Menschen in der Gegend mitgeholfen und uns unglaublich unterstützt", sagte Garrone.

Im Film seien aber alle professionelle Schauspieler und „niemand von der Straße, wie man vielleicht glauben könnte".

Der Film macht deutlich, dass die am Beispiel Neapels gezeigten Mechanismen ein weltweites Problem sind. Roberto Saviano war ernst und konzentriert, aber für jemanden, der seit zwei Jahren mit Todesdrohungen lebt, wirkte er relativ entspannt: „Ich fürchte mich nicht vor dem Tod. Ich fürchte mich weit mehr vor der Verleumdung durch die Camorra."

 



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